Tagebuch einer Wienerin in Feldkirch

Tag 1 – Ich wache auf, öffne das Fenster, das auf die Innenstadt und den Marktplatz schaut, es riecht nach Föhn, und hier heißt Föhn, warme Luft, die nach Kuhmist föht. Ich gehe in die Küche, mache den Kühlschrank auf, nehme Butter, Käse und Milch aus dem Kühlschrank, die föht auch, so richtig org nach Land. Ich gehe mich duschen, ziehe mich an, gehe auf die Straße, LKWs und bonsige Autos fahren in Richtung Liechtenstein. Jetzt weiß ich, wieso hier alles so fein ist. Die Straßen sind echt sauber, nicht wie in Wien, wo an jeder Ecke eine Dose Bier rumliegt oder ein Tschickstummerl, oder Speibe oder Dönerrest – man kann’s nicht unterscheiden.

Ich geh zum Markt, mal schauen, was ich da so finde. Heute ist wieder Markttag in Feldkirch, der ist hier jeden Dienstag und Samstag. Heute ist Dienstag, halb 11 und ich stehe hier, wundert euch nicht, ich bin arbeitslos, muss nicht hackeln, deshalb steh ich hier rum. Außer mir sind hier noch ein paar Mütter mit ihren Kindern, die sich zum Brunchen treffen und ein paar ältere Leute, die viel Geld haben und sich Prosecco genehmigen. Erinnert mich an den Naschmarkt in Wien. Bobos und Chiceria.

Ich gehe zu einem Stand hin und probiere ein paar Käsesorten. Die Verkäuferin fragt: gmslkgnsgsg. Ich: Wie bitte? Sie: fda<fns gsi. Tut mir leid, bin neu hier, bin aus Wien. Sie: Aso, bisch a Wienerin? Na, was machsch da im Ländle? Ich denke mir: arbeitslos sein. Sage aber: Kellnern.

Mein Hund springt zu Hause von A nach B so wie meine Gedanken. Er jagt einem unsichtbaren Phantom nach, so wie ich. Nur ohne Oper. Das ganze ist dann etwas weniger spektakulär für‘s Publikum, ich hoffe, nicht so wie bei mir. Ich hoffe doch, man liest mein Tagebuch wie einen spanneden Roman, nicht wie einen Auszug aus der Heute Zeitung.

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