Ein Essay.

30.11.2020, Tag 13

Corona zwingt uns dazu, uns selbst zu isolieren, abgeschieden von Menschen zu leben, Menschen die wir lieben, Menschen die wir nicht mögen, aber vor allem zwingt es uns dazu, nicht mehr Teil einer Gemeinschaft und einer sozialen Struktur zu sein.

Dabei sind wir als Menschen nicht auch Lebewesen, die einer Gemeinschaft angehören und diese brauchen?

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Mir geht’s gut aber mir ist langweilig. Vielleicht kiffe ich deshalb, um die Langeweile durchzutauchen. Dabei hatte ich es jetzt schon so lange ohne geschafft. Fühlt sich an, als wäre ich wieder zurück zum Start gegangen. Egal, in der Arbeit läufts gut, mir geht’s gut. Das Kiffen stellt sich wiedermal nicht als Problemfall heraus, außer dass es Geld kostet. Probleme habe ich eher mit meiner Schwester. Wenn sie etwas von mir braucht ist sie die liebste Person auf der Welt, aber wenn ihr etwas nicht in den Kram passt, schimpft sie mich und nennt mich Junkie und das tut weh. Immerhin sehe ich mich doch gar nicht als Junkie. Ich kann auch absolut nicht nachempfinden wie sie auf so einen Schwachsinn kommt. Ja, manchmal nehme ich gerne Drogen aber schlimmer als Alkohol ist Marihuana meiner Meinung nach nicht. Im Gegensatz zu meiner Schwester schütt ich mich halt nicht mit Alk zu sondern rauch meine paar Joints um runterzukommen. Runterkommen ist vielleicht der falsche Ausdruck, eher um raufzukommen auf die Welle des Lebens. Und dann surf ich gemütlich dahin, wie ein blinder Passagier. Blind macht mich das kiffen aber nur für’s Leben. Ich gammel daheim rum und warte auf den nächsten Lockdown um endlich eine passende Ausrede für meine Sucht zu haben. Für mein nichts-tuerisches Verhalten. Im Gegensatz zu meiner Schwester bin ich jetzt allerdings schon 6 Jahre bei der selben Firma, sie hingeen ist arbeitslos und träumt vom großen Ruhm durch unser Magazin. Mir ist der Ruhm egal, solange ich hier schreiben kann, was ich will. Mit dem Ruhm kommt nämlich auch die Gefahr der Rezensur und die möchte ich mit allen Mitteln vermeiden.

Ich weiß nicht, ich weiß doch auch nicht, hab ich immer in der Therapie gesagt. Aber wenn schon Paul Watzlawick gesagt hat, dass es keine objektive Wirklichkeit gibt, was kann ich dann tatsächlich wissen über mich und die anderen?

Gar nichts oder?

Wenn wir im Delirium gefangen sind, von subjektiven Wahrheiten, welche Wahrheit machst du zu deiner? Deine eigene wäre wohl die richtige Antwort, oder eben auch die falsche.

Genau das mein ich ja mit Zerissenheit.

Wieso versteht mich bloß niemand?
Haha selbst erklärender Witz irgendwie, oder nicht?

Warum kommst du nicht einfach vorbei und ich zeig dir was ich mein?
Aber nein, es ist zu spät, jeder hat was dazu gelernt und jetzt sind wir zwei Sterne die um die Sonne kreisen.

Ja, ins nirgendwo führt das alles hin, genau. Warum, weiß ich auch nicht recht aber das Kiffen stört mich mittlerweile mehr an mir selber als mein Körper und ich bin eine Frau. Laut jedem Klischee, mag eine Frau ihren Körper nämlich sowieso nie so recht. Frauen sind grundsätzlich immer unzufrieden mit sich selbst und arbeiten ständig an sich. Ich frage mich nur, wo soll die ganze Arbeit hinführen? Ins KZ?

Ich übertreibe nicht maßlos, nein, in diesem Fall nicht. Ich übertreibe wenn’s um’s Kiffen geht oder um Exzesse im Allgemeinen, aber nicht, wenn es um Klischees geht. Noch ein Klischee über Frauen ist ja, dass sie hysterisch sind oder noch schlimmer, manche sogar Hexen.

Okay, das mit den Hexen trifft heutzutage eher auf EsoterikerInnen zu. Trotzdem, ich glaube, ihr wisst, worauf ich hinaus will. Falls nicht, hab ich was verpasst, nicht ihr. Im Verpassen bin ich nämlich auch nicht so schlecht, hingegen der Klischees. Ich verpasse regelmäßig wichtige Termine oder sage sie in letzter Sekunde ab.

Überhaupt frage ich mich gerade warum ich überhaupt schon wieder beim Kiffen bin und nicht mit anderen Dingen beschäftigt? Vielleicht damit ich schreiben kann? Brauch ich das Kiffen jetzt sogar schon um kreativ zu werden?

(c) Tommy Guerrero